Vienna
Art Week
2019

Vienna
Art
Week
2019

Making
Truth

Wie kaum jemand anderer sind Künstlerinnen und Künstler in der privilegierten Lage, ihre ganz individuelle Wahrheit ein Leben lang zu verfolgen und in ein Werk zu übersetzen. Ein Tätigkeitsbereich also, in dem das Movens des eigenen Tuns auch die ewige Suche nach persönlicher Erkenntnis beinhaltet. Making Truth ist heute nicht mehr nur den klassischen Wahrrednern, den Predigern, Philosophen, Wissenschaftlern und, wie man sich zumindest wünschen würde, Politikern und Staatsoberhäuptern vorbehalten, sondern auch denjenigen, die andere, individuelle und möglicherweise subtilere Formen gefunden haben, die Wahrheit darzustellen: Bildende Künstler, Filmemacher, Schriftsteller und Lyriker. 

Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Making so ähnlich klingt wie Faking und dass sich im Taumel des noch-nicht-Wahren das Wahre mit dem Unwahren vermischt. Die Machbarkeitsfantasien der sich im Wahrheitsrausch befindlichen Individuen können nur allzu leicht zu krankhaften Auswüchsen ideologischer Vorstellungen und einem grenzenlosen Machtmissbrauch führen wie wir ihn alltäglich vernehmen. Die Wahrheit wurde von Friedrich Nietzsche am Ende des 19. Jahrhunderts aus der Verantwortung des religiösen Hoheitsbereichs entkoppelt und als Illusion beschrieben: „Was ist also Wahrheit? […] Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen, in Betracht kommen.“ 

Im Zuge der Moderne wurden jedoch die Zweifel immer größer und die Idee der einen objektiven Wahrheit bröckelte zugunsten einer Aufsplitterung in viele subjektive Wahrheiten. Picasso glaubte noch, die Wahrheit mittels der Kunst retten zu können, als er sagte: „Kunst ist eine Lüge, die uns hilft, die Wahrheit zu realisieren.“ Doch mit der Wahrheit wurde von nun an auch immer öfter die Lüge genannt. Heinz von Förster meinte sogar, dass die Wahrheit die Erfindung eines Lügners sei. In Zeiten wie heute, in denen Fake News Hochkonjunktur haben, Politiker das Blaue vom Himmel lügen und Nachrichten zu Waffen instrumentalisiert werden, wünschen sich viele Menschen wieder eine, am besten alleinige, objektive Instanz zurück, die die Wahrheit spricht. Doch wir haben aus der Geschichte gelernt, und wissen, dass Heilsversprechen egal ob religiöser oder politischer Natur besonders gefährlich sind. 

Robert Punkenhofer & Angela Stief

Open Call for Artists

OPEN STUDIO
DAYS 2019

November 16 + 17, 2019
15:00 – 18:00 

Die Open Studio Days bieten die einmalige Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen künstlerischer Produktion zu werfen. Auf mehr als 300 teilnehmende Künstlerinnen und Künstler kann das seit 2012 bestehende Erfolgsformat Open Studio Day bereits zurückblicken. 

Das 15. Jahr ihres Bestehens nimmt sich die VIENNA ART WEEK zum Anlass, den Open Studio Day ein ganzes Wochenende lang stattfinden zu lassen. Inhaltliche Auseinandersetzung mit dem diesjährigen Motto bieten die  von Angela Stief und Robert Punkenhofer in ausgewählten Künstlerateliers kuratierten Ausstellungen, die unter dem Titel Making Truth bestehende und neue Arbeiten präsentieren sowie einen exquisiten Parcours durch Wiener Künstlerateliers legen. 

Open Call für Künstlerinnen und Künstler

Künstlerinnen und Künstler, die ihr Studio in Wien haben, können bis 31. August 2019 ihre Bewerbung für eine Teilnahme an den Open Studio Days im Rahmen der VIENNA ART WEEK 2019 einreichen. Einreichungen mit Vorschlägen, die sich thematisch mit dem Motto Making Truth auseinander setzen, werden besonders berücksichtigt und in der Kommunikation hervorgehoben. Eine Fachjury (Stefan Bidner/Wien, Friedrich von Borries/Berlin, Martha Kirszenbaum/Paris und Los Angeles, Vanessa Joan Müller/Wien und Angela Stief/Wien) entscheidet über die Teilnahme an den Open Studio Days.

PDF mit allen Informationen zum OPEN STUDIO DAY
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